Ein Smart Home ohne Backup ist eine Wette. Irgendwann geht die SD-Karte des Raspberry Pi kaputt, ein Update zerschießt die Konfiguration, oder die Hardware fällt einfach aus. Nach dem ersten Datenverlust vor Jahren, es ging um eine kaputte SD-Karte und eine sehr mühsam von Hand rekonstruierte Konfiguration, habe ich mir eine Backup-Strategie gebaut, die seitdem zuverlässig läuft.
Das 3-2-1-Prinzip, angewendet auf Home Assistant
Die Grundregel für Backups lautet: mindestens drei Kopien der Daten, auf mindestens zwei verschiedenen Medientypen, davon mindestens eine Kopie außerhalb des eigenen Standorts. Übertragen auf Home Assistant sieht das bei mir so aus:
- Das laufende System selbst (Kopie 1)
- Ein automatisches tägliches Backup auf einem NAS im selben Netzwerk (Kopie 2, anderes Medium)
- Eine wöchentliche verschlüsselte Kopie auf einem Cloud-Speicher oder bei Freunden außer Haus (Kopie 3, anderer Standort)
Schritt 1: Eingebaute Backups aktivieren
Home Assistant OS bringt eine eigene Backup-Funktion mit, erreichbar unter Einstellungen → System → Backups. Dort kannst du einen Zeitplan definieren, zum Beispiel täglich um 3 Uhr nachts, und festlegen, welche Bestandteile gesichert werden sollen: die Konfiguration, installierte Add-ons und deren Daten, sowie optional Medien und Ordner außerhalb der Standardstruktur.
Wichtig: aktiviere die Verschlüsselung mit einem eigenen, sicher aufbewahrten Passwort. Ohne Verschlüsselung liegen sämtliche Zugangsdaten deiner Integrationen im Klartext in der Backup-Datei.
Schritt 2: Backups automatisch aus dem Haus bekommen
Ein Backup, das nur auf derselben SD-Karte liegt wie das System selbst, ist im Ernstfall wertlos. Ich nutze dafür die Integration Samba Share beziehungsweise ein Add-on, das die Backup-Dateien automatisch auf ein NAS im Netzwerk kopiert, sobald ein neues Backup erstellt wurde. Alternativ funktioniert das auch über eine einfache Automatisierung mit dem shell_command-Dienst, der ein rsync-Kommando auf das NAS auslöst, sobald das Event backup.backup_done (je nach Version auch als eigener Trigger verfügbar) auftritt.
Für die externe Kopie synchronisiere ich das NAS-Verzeichnis wöchentlich auf einen verschlüsselten Cloud-Speicher. Wichtig dabei: die Backup-Datei von Home Assistant ist durch das oben gesetzte Passwort bereits verschlüsselt, eine zusätzliche Transportverschlüsselung über eine sichere Verbindung kommt on top.
Schritt 3: Alte Backups automatisch aufräumen
Ohne Aufräumroutine füllt sich der Speicherplatz irgendwann. Unter den Backup-Einstellungen kannst du festlegen, wie viele Backups aufbewahrt werden sollen, bevor die ältesten automatisch gelöscht werden. Ich behalte 14 tägliche Backups lokal und 8 wöchentliche Backups auf dem externen Speicher, das deckt bei mir jeden realistischen Wiederherstellungsfall ab, ohne unbegrenzt Speicherplatz zu verbrauchen.
Schritt 4: Wiederherstellung tatsächlich testen
Ein Backup, das du nie zurückgespielt hast, ist eine Vermutung, kein Backup. Einmal im Quartal spiele ich mein aktuellstes Backup testweise auf einer separaten Testinstanz von Home Assistant ein, entweder in einer virtuellen Maschine oder auf einem zweiten Raspberry Pi. So finde ich Probleme, bevor ich sie im Ernstfall brauche, zum Beispiel wenn ein Add-on beim Wiederherstellen eine Fehlermeldung wirft, die im laufenden Betrieb nie aufgefallen wäre.
Was mir das im Ernstfall gebracht hat
Als bei mir vor einiger Zeit ein Firmware-Update den Zigbee-Koordinator lahmgelegt hat, war das System nach einem Rollback auf das letzte funktionierende Backup binnen 20 Minuten wieder komplett einsatzbereit, inklusive aller Automatisierungen, Dashboards und Zugangsdaten. Ohne die tägliche Sicherung hätte ich vermutlich einen ganzen Abend damit verbracht, alles von Hand neu aufzusetzen.
Die Einrichtung dieser Backup-Kette dauert einmalig vielleicht eine Stunde. Das ist gut investierte Zeit, verglichen mit dem Aufwand, eine gewachsene Konfiguration mit Dutzenden Automatisierungen komplett neu zu bauen.